Lohnt es sich, Nabelschnurblut einlagern zu lassen – oder ist das rausgeworfenes Geld? Über kaum ein Thema rund um die Geburt wird so kontrovers diskutiert. Hebammen raten häufig davon ab, private Anbieter werben mit der „Lebensversicherung“ fürs Kind, und Ärzte sind sich uneins.
Wir haben uns als Eltern selbst mit dieser Entscheidung auseinandergesetzt, viel recherchiert und am Ende das Nabelschnurblut unseres Kindes einlagern lassen. Auf dieser Seite teilen wir alle Argumente – ehrlich, von beiden Seiten – damit du eine informierte Entscheidung treffen kannst.
Kurz erklärt: Was ist Nabelschnurblut und warum ist es besonders?
Nabelschnurblut ist das Blut, das nach der Geburt und Abnabelung noch in der Nabelschnur und der Plazenta verbleibt. Es enthält eine hohe Konzentration besonders junger und teilungsfähiger Stammzellen – sogenannte hämatopoetische Stammzellen, die alle Zellen des menschlichen Blutes bilden können. Diese Stammzellen sind einzigartig, weil sie jünger und anpassungsfähiger sind als Stammzellen aus dem Knochenmark oder Blut von Erwachsenen. Ihr Erbgut ist noch weitgehend frei von Umweltschäden.
Das Besondere: Diese Stammzellen können nur ein einziges Mal gewonnen werden – direkt nach der Geburt. Die Entnahme ist schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten. Danach wird die Nabelschnur in den allermeisten Fällen entsorgt. Weltweit landen über 95 % aller Nabelschnüre im Klinikmüll.
Die Pro-Argumente: Was für das Einlagern spricht
1. Die Stammzellen gibt es nur einmal
Das ist das stärkste Argument. Die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut sind in dieser jungen, unbelasteten Form nur direkt nach der Geburt verfügbar. Wer sich dagegen entscheidet, hat diese Möglichkeit unwiderruflich verpasst. Anders als viele andere Entscheidungen rund ums Kind kann man diese nicht nachholen.
2. Über 80 Indikationen – und die Zahl wächst
Nabelschnurblut wurde weltweit bereits über 60.000-mal medizinisch eingesetzt, bei mehr als 80 verschiedenen Erkrankungen. Dazu gehören vor allem Blutbildungsstörungen wie Leukämie, Erkrankungen des Immunsystems und Stoffwechseldefekte. Das sind keine Zukunftsvisionen, sondern etablierte Therapien, die heute bereits angewendet werden.
3. Die Forschung entwickelt sich rasant
Neben den bereits etablierten Einsatzgebieten wird weltweit intensiv an neuen Therapien geforscht. Besonders vielversprechend sind die Forschungen zu frühkindlichen Hirnschädigungen (Zerebralparese), Autismus, Typ-1-Diabetes, chronischen Lungenerkrankungen bei Neugeborenen und Autoimmunerkrankungen. Im April 2025 wurde in Australien erstmals ein Kind mit Zerebralparese außerhalb einer klinischen Studie mit eigenem Nabelschnurblut behandelt. Eine internationale Phase-3-Studie mit rund 250 Kindern zum Einsatz bei Hirnschädigungen ist in Planung.
4. Perfekte Verträglichkeit
Eigene Stammzellen (autologe Transplantation) werden vom Körper zu 100 % akzeptiert – es gibt kein Abstoßungsrisiko. Bei einer Transplantation mit fremden Stammzellen besteht immer die Gefahr einer Graft-versus-Host-Reaktion, bei der die transplantierten Zellen den Körper des Empfängers angreifen. Dieses Risiko entfällt komplett, wenn eigenes Nabelschnurblut verwendet wird.
5. Auch für Geschwister nützlich
Eingelagertes Nabelschnurblut kann unter Umständen auch für Geschwisterkinder oder andere nahe Verwandte eingesetzt werden. Die Wahrscheinlichkeit einer Kompatibilität liegt bei Geschwistern bei etwa 25 %. Transplantationen innerhalb der Familie versprechen nach Eigentransplantationen die besten Ergebnisse. Vita34 bietet dafür sogar eine spezielle Familienoption an.
6. Sofort verfügbar im Ernstfall
Wer eigenes Nabelschnurblut eingelagert hat, spart im Ernstfall wertvolle Zeit. Die Suche nach einem passenden Knochenmarkspender dauert oft Wochen bis Monate – Zeit, die ein schwerkrankes Kind möglicherweise nicht hat. Eingelagertes Nabelschnurblut ist hingegen sofort abrufbar.
7. Die Kosten sind überschaubar
Was auf den ersten Blick nach viel Geld aussieht, relativiert sich auf den Monat umgerechnet. Bei einem 18-Jahres-Pauschalpaket landet man bei rund 14 Euro pro Monat – weniger als ein Netflix-Abo. Ausführliche Preisinformationen findest du auf unserer Kosten-Seite.
Die Contra-Argumente: Was dagegen spricht
1. Die Wahrscheinlichkeit der Nutzung ist gering
Das ist das gewichtigste Gegenargument. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind seine eigenen eingelagerten Stammzellen im Laufe des Lebens tatsächlich benötigt, wird auf etwa 1:25.000 geschätzt. Das bedeutet: Die allermeisten eingelagerten Proben werden nie verwendet. Man zahlt also für eine Vorsorge, die man statistisch gesehen sehr wahrscheinlich nie brauchen wird.
2. Bei Blutkrebs sind eigene Stammzellen oft ungeeignet
Paradoxerweise sind bei einer der häufigsten Indikationen – Leukämie – die eigenen Stammzellen oft nicht die beste Wahl. Da Blutkrebs sehr früh entstehen kann, können bereits Vorläuferzellen in der Nabelschnur vorhanden sein. Ärzte bevorzugen in solchen Fällen Stammzellen von fremden Spendern, um das Rückfallrisiko zu minimieren. Dieses Argument bezieht sich allerdings nur auf Blutkrebs, nicht auf die vielen anderen Einsatzgebiete.
3. Begrenzte Menge
Die Nabelschnur enthält nur eine begrenzte Menge Blut. Für die Behandlung eines Kleinkindes reicht das in der Regel aus, aber für ältere Jugendliche oder Erwachsene kann es zu wenig sein. In solchen Fällen braucht man zusätzlich eine weitere Stammzellquelle. Forscher arbeiten allerdings an Verfahren, um Nabelschnur-Stammzellen im Labor zu vermehren.
4. Viele Therapien sind noch nicht ausgereift
Während die klassische Stammzelltransplantation bei Bluterkrankungen etabliert ist, befinden sich viele der besonders spannenden Anwendungsgebiete (Zerebralparese, Autismus, Diabetes) noch im Forschungsstadium. Es gibt keine Garantie, dass diese Therapien in der erhofften Form Realität werden. Man investiert also teilweise in eine Hoffnung, nicht in eine Gewissheit.
5. Kritik von Fachgesellschaften
Verschiedene medizinische Fachgesellschaften und Kinderärzte-Verbände stehen der privaten Einlagerung skeptisch gegenüber. Ihr Hauptargument: Der nachgewiesene Nutzen stehe in keinem Verhältnis zu den Kosten. Sie empfehlen stattdessen die öffentliche Spende, die der Allgemeinheit zugutekommt. Allerdings ist zu bemerken, dass diese Empfehlungen oft auf dem Stand von vor einigen Jahren basieren und die rasante Forschungsentwicklung nicht immer vollständig berücksichtigen.
6. Auspulsieren oder Einlagern – beides geht nicht voll
Viele Hebammen empfehlen, die Nabelschnur nach der Geburt auspulsieren zu lassen, damit das restliche Blut ins Baby fließt. Das soll die Eisenversorgung und die Stammzellzahl im Körper des Neugeborenen erhöhen. Wenn das Nabelschnurblut entnommen wird, steht es für das Auspulsieren nicht mehr vollständig zur Verfügung. Allerdings ist auch bei einer Entnahme eine verzögerte Abnabelung möglich – nur eben nicht das komplette Auspulsieren.

Was Ärzte und Experten sagen
Die Meinungen in der medizinischen Fachwelt gehen auseinander. Es gibt im Wesentlichen drei Lager:
Die Skeptiker sehen die private Einlagerung als kommerzielle Angstmacherei. Sie argumentieren, dass die Wahrscheinlichkeit einer Nutzung zu gering sei, um die Kosten zu rechtfertigen, und empfehlen stattdessen die öffentliche Spende.
Die Befürworter betonen das enorme Potenzial der Stammzellforschung und die Einmaligkeit der Gelegenheit. Sie sehen die Einlagerung als sinnvolle Gesundheitsvorsorge, vergleichbar mit einer Versicherung, die man hoffentlich nie braucht.
Die Pragmatiker sagen: In bestimmten Situationen ist die Einlagerung klar empfehlenswert – zum Beispiel wenn in der Familie bereits Erkrankungen vorliegen, die mit Stammzellen behandelt werden können, bei bekannten genetischen Risiken oder wenn Geschwisterkinder betroffen sind. Für alle anderen Familien sei es eine persönliche Abwägung, bei der beide Entscheidungen vertretbar sind.
Für wen ist die Einlagerung besonders sinnvoll?
Es gibt Situationen, in denen die private Einlagerung von Nabelschnurblut besonders empfehlenswert ist:
- Familiäre Vorbelastung: Wenn in der Familie Erkrankungen wie Leukämie, Anämie, Immundefekte oder Stoffwechselstörungen vorkommen.
- Erkranktes Geschwisterkind: Wenn ein älteres Geschwisterkind an einer Erkrankung leidet, die mit Stammzellen behandelt werden könnte. In diesem Fall kann eine sogenannte „gerichtete Spende“ auch über eine öffentliche Bank erfolgen.
- Ethnische Minderheiten: Für Familien mit selteneren Gewebemerkmalen kann es schwieriger sein, einen passenden Fremdspender zu finden. Eigene eingelagerte Stammzellen bieten hier zusätzliche Sicherheit.
- Erstes Kind: Beim ersten Kind ist die Entscheidung besonders relevant, weil noch kein Geschwister-Nabelschnurblut vorhanden ist.
Unsere ehrliche Einschätzung als Eltern
Wir haben 2019 bei der Geburt unseres Kindes das Nabelschnurblut und Nabelschnurgewebe bei Vita34 einlagern lassen. Unsere Entscheidung war keine leichte – wir haben die gleichen Argumente hin und her gewälzt, die auf dieser Seite stehen.
Am Ende haben drei Punkte den Ausschlag gegeben:
Erstens die Unwiderruflichkeit: Hätten wir uns dagegen entschieden und unser Kind bräuchte in 10 oder 15 Jahren Stammzellen, hätten wir uns das nie verziehen. Umgekehrt: Wenn wir das Geld „umsonst“ ausgegeben haben, weil die Stammzellen nie gebraucht werden – dann wäre das der beste Fall.
Zweitens die Kosten: Auf den Monat umgerechnet reden wir von rund 14 Euro. Das ist ein Betrag, den wir bereit waren zu investieren für die Chance, dass es unserem Kind im Ernstfall helfen könnte.
Drittens das Tempo der Forschung: Die Stammzellmedizin entwickelt sich enorm schnell. Was heute noch Forschung ist, kann in 10 Jahren Standard sein. Wir wollten, dass unser Kind dann Zugang zu diesen Therapien hat.
Unseren ausführlichen Erfahrungsbericht kannst du separat lesen.
Die Alternativen zur privaten Einlagerung
Öffentliche Spende
Du kannst das Nabelschnurblut kostenlos an eine öffentliche Stammzellbank spenden. Es wird dann im Stammzellregister erfasst und steht Menschen zur Verfügung, die eine Transplantation benötigen. Der Nachteil: Das Blut gehört dann nicht mehr deinem Kind. Eine Rückforderung ist nur in Ausnahmefällen möglich, und es kann bereits für einen anderen Patienten verwendet worden sein. Außerdem ist eine öffentliche Spende nicht in allen Kliniken möglich.
Einlagerung mit Spendenoption
Einige private Anbieter bieten eine Kombilösung an: Das Nabelschnurblut wird privat eingelagert, aber gleichzeitig im öffentlichen Stammzellregister erfasst. Wird es für eine Fremdspende angefragt, entscheidest du als Elternteil, ob du zustimmst. Wenn ja, bekommst du die Einlagerungskosten zurückerstattet.
Gar nichts tun
Die dritte Option ist, die Nabelschnur einfach auspulsieren zu lassen und das restliche Blut entsorgen zu lassen. Das ist die Entscheidung, die über 95 % der Eltern in Deutschland treffen – oft allerdings nicht bewusst, sondern weil sie sich mit dem Thema nicht beschäftigt haben.
Häufige Fragen (FAQ)
Ist Nabelschnurblut einlagern sinnvoll?
Das hängt von der individuellen Situation und Risikobereitschaft ab. Medizinisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit der Nutzung gering (ca. 1:25.000), aber die Stammzellforschung entwickelt sich rasant und die Einsatzgebiete wachsen stetig. Besonders sinnvoll ist es bei familiärer Vorbelastung mit Blut- oder Immunerkrankungen. Für alle anderen Familien ist es eine persönliche Abwägung – vergleichbar mit einer Versicherung, die man hoffentlich nie braucht.
Raten Ärzte zur Einlagerung von Nabelschnurblut?
Die Meinungen sind geteilt. Einige Fachgesellschaften stehen der privaten Einlagerung skeptisch gegenüber und empfehlen eher die öffentliche Spende. Andere Mediziner sehen die Einlagerung als sinnvolle Vorsorge, insbesondere angesichts der rasanten Forschungsentwicklung. Bei familiärer Vorbelastung mit Erkrankungen, die mit Stammzellen behandelbar sind, empfehlen die meisten Ärzte die Einlagerung.
Was spricht gegen das Einlagern von Nabelschnurblut?
Die wichtigsten Gegenargumente sind: die geringe statistische Nutzungswahrscheinlichkeit, die Tatsache dass eigene Stammzellen bei Blutkrebs oft nicht die beste Wahl sind, die begrenzte Blutmenge in der Nabelschnur und die Kosten von mehreren tausend Euro, die von den Krankenkassen nicht übernommen werden.
Kann man Nabelschnurblut auch spenden statt einlagern?
Ja. Die öffentliche Spende ist kostenlos und kann Leben retten. Allerdings steht das Blut dann nicht mehr für das eigene Kind zur Verfügung. Öffentliche Spenden sind zudem nur in ausgewählten Kliniken möglich. Eine Kombilösung bieten einige private Anbieter mit der Einlagerung mit Spendenoption.
Wie lange sind eingelagerte Stammzellen haltbar?
Nach aktuellem Forschungsstand sind kryokonservierte Stammzellen bei minus 180°C praktisch unbegrenzt haltbar. Die biologischen Prozesse werden bei dieser Temperatur nahezu komplett gestoppt. Anbieter wie Vita34 bieten Laufzeiten bis zu 50 Jahren an.
Was kostet die Einlagerung von Nabelschnurblut?
Zwischen 2.500 und 6.500 Euro, je nach Anbieter, Paket und Laufzeit. Umgerechnet auf den Monat sind das 10 bis 20 Euro. Beide großen Anbieter in Deutschland bieten Ratenzahlung an. Mit unseren Gutscheinen für eticur und Vita34 spart ihr jeweils 150 Euro. Alle Details findest du auf unserer Kosten-Seite.
Kann ich mich auch noch kurz vor der Geburt entscheiden?
Im Prinzip ja, aber die Anbieter empfehlen eine Bestellung mindestens 5 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin. Es müssen Unterlagen ausgefüllt, geprüft und das Entnahmepaket versendet werden. Bei kurzfristigen Entscheidungen sollte man direkt den Kundenservice kontaktieren – oft findet sich noch eine Lösung.
Schließen sich Auspulsieren und Einlagern gegenseitig aus?
Nicht komplett. Das volle Auspulsieren (bei dem das gesamte Restblut ins Baby fließt) ist mit einer Einlagerung nicht vereinbar, da das Blut dann entnommen wird. Allerdings ist auch bei einer Nabelschnurblutentnahme eine verzögerte Abnabelung von 30-60 Sekunden möglich. Die WHO-Empfehlung zum verzögerten Abnabeln und die Nabelschnurblutentnahme lassen sich also teilweise kombinieren.
Fazit: Eine persönliche Entscheidung
Die Frage „Nabelschnurblut einlagern – sinnvoll oder nicht?“ lässt sich nicht pauschal beantworten. Es gibt gute Argumente auf beiden Seiten. Was feststeht: Die Chance, die Stammzellen deines Kindes zu sichern, gibt es nur ein einziges Mal. Und die Forschung entwickelt sich in einem Tempo, das vor 10 Jahren kaum vorstellbar war.
Wenn du dich für die Einlagerung entscheidest, findest du auf unserer Seite alle Informationen, die du brauchst: einen Anbietervergleich, detaillierte Infos zu Vita34 und eticur, eine Kostenübersicht und natürlich unsere Gutscheine, mit denen ihr bei beiden Anbietern jeweils 150 Euro spart.