Nabelschnurblut einlagern sinnvoll oder Geldverschwendung?

Letzte Aktualisierung: Februar 2026

Du erwartest ein Baby und fragst dich, ob du das Nabelschnurblut einlagern lassen solltest? Vielleicht hat dir dein Frauenarzt davon erzählt, oder du hast Werbung von Vita34 oder eticur gesehen. Die Versprechen klingen verlockend: Stammzellen als „biologische Lebensversicherung“ für dein Kind.

Aber ist das wirklich sinnvoll – oder nur cleveres Marketing?

In diesem Artikel erfährst du die ehrliche Wahrheit über Nabelschnurblut: Was es kann, was es (noch) nicht kann, und für wen eine Einlagerung tatsächlich Sinn macht. Ohne Panikmache, ohne rosarote Brille.

Was ist Nabelschnurblut überhaupt?

Nabelschnurblut ist das Blut, das nach der Geburt in der Nabelschnur und der Plazenta zurückbleibt. Früher landete es einfach im Klinikmüll – heute wissen wir, dass es einen echten Schatz enthält: Stammzellen.

Diese Stammzellen sind besonders wertvoll, weil sie noch jung und unbelastet sind. Sie wurden noch nicht durch Umwelteinflüsse, Krankheiten oder das Altern beeinträchtigt. Außerdem können sie sich in verschiedene Zelltypen entwickeln – vor allem in Blutzellen und Zellen des Immunsystems.

Der entscheidende Vorteil gegenüber Stammzellen aus dem Knochenmark: Nabelschnurblut ist sofort verfügbar. Während die Suche nach einem passenden Knochenmarkspender Monate dauern kann, liegt das eingefrorene Nabelschnurblut bereit. Bei manchen Erkrankungen kann diese Zeitersparnis lebensrettend sein.

Wofür wird Nabelschnurblut heute eingesetzt?

Stammzellen aus Nabelschnurblut werden heute bei über 80 verschiedenen Erkrankungen eingesetzt. Die wichtigsten Anwendungsgebiete sind Erkrankungen des Blutes und des Immunsystems.

Am häufigsten kommt Nabelschnurblut bei Leukämie zum Einsatz. Nach einer Chemotherapie, die das kranke Knochenmark zerstört, können die transplantierten Stammzellen ein neues, gesundes Blutbild aufbauen. Auch bei anderen Blutkrebsarten, schweren Anämien und angeborenen Immunschwächen wird Nabelschnurblut erfolgreich eingesetzt.

Die erste erfolgreiche Transplantation fand übrigens schon 1988 statt: Ein Junge mit Fanconi-Anämie erhielt das Nabelschnurblut seiner gesunden Schwester – und wurde geheilt. Seitdem wurden weltweit über 50.000 Nabelschnurblut-Transplantationen durchgeführt.

Aktuell wird intensiv geforscht, ob Nabelschnurblut auch bei anderen Erkrankungen helfen kann. Studien laufen unter anderem zu frühkindlichen Hirnschäden (Zerebralparese), Diabetes Typ 1, Autismus und verschiedenen Autoimmunerkrankungen. Diese Therapien sind allerdings noch experimentell – ein Durchbruch ist bisher nicht gelungen.

Die unbequeme Wahrheit: Wie wahrscheinlich ist eine Eigenanwendung?

Jetzt kommt der Teil, den die Werbung gerne verschweigt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass dein Kind sein eigenes eingelagertes Nabelschnurblut jemals braucht, liegt bei etwa 1:25.000. Das hat das Deutsche Ärzteblatt so berechnet. In den ersten 20 Lebensjahren ist die Wahrscheinlichkeit sogar noch geringer.

Warum ist das so? Bei den häufigsten Erkrankungen, für die Stammzellen eingesetzt werden, ist das eigene Nabelschnurblut oft gar nicht geeignet:

Bei Leukämie tragen die eigenen Stammzellen häufig bereits die Anlage zur Krankheit. Die Krankheit kann schon vor der Geburt in den Zellen angelegt sein. Deshalb nutzen Ärzte bei Blutkrebs fast immer Stammzellen von fremden Spendern – nicht die eigenen.

Bei Erbkrankheiten haben die eigenen Stammzellen denselben Gendefekt wie alle anderen Körperzellen. Auch hier braucht man fremde Stammzellen.

Bei Erwachsenen reicht die Menge oft nicht aus. Das Nabelschnurblut einer einzelnen Geburt enthält zu wenige Stammzellen, um einen ausgewachsenen Menschen zu behandeln. Erwachsene brauchen meist das Nabelschnurblut von zwei Spendern.

Die Bundesärztekammer, die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und viele andere medizinische Fachgesellschaften raten deshalb von der routinemäßigen privaten Einlagerung ab – zumindest nach dem heutigen Stand der Medizin.

Nabelschnurblut einlagern sinnvoll? Ja, wenn…

Heißt das, eine Einlagerung ist komplett sinnlos? Nicht unbedingt. Es gibt Situationen, in denen Experten eine private Einlagerung durchaus befürworten.

Wenn bereits ein Geschwisterkind erkrankt ist, kann das Nabelschnurblut des Neugeborenen ein echtes Geschenk sein. Die Chance, dass das Blut für eine Transplantation geeignet ist, liegt bei etwa 25 Prozent. Bei einer von zehn Transplantationen stammt das Nabelschnurblut heute von verwandten Spendern. In diesem Fall spricht man von einer „gerichteten Spende“, die sogar über öffentliche Nabelschnurblutbanken kostenlos möglich ist.

Bei bekannten genetischen Risiken in der Familie kann eine Einlagerung ebenfalls sinnvoll sein. Wenn etwa Stoffwechselerkrankungen, Immunschwächen oder ein erhöhtes Leukämie-Risiko in der Familie bekannt sind, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer späteren Anwendung.

Wenn dein Baby mit einem schweren Herzfehler zur Welt kommt, kann eingelagertes Nabelschnurblut potenziell für zukünftige Therapien relevant sein. Gleiches gilt bei einem hohen Risiko für Diabetes Typ 1.

Und dann gibt es noch das Argument der Zukunft: Die Medizin entwickelt sich rasant weiter. Was heute noch experimentell ist, könnte in 10 oder 20 Jahren Standard sein. Forscher arbeiten daran, Stammzellen aus Nabelschnurblut für die Behandlung von Hirnschäden, Autoimmunerkrankungen und sogar zur Geweberegeneration einzusetzen. Würde hier ein Durchbruch gelingen, könnte eine Einlagerung plötzlich sehr wertvoll werden.

Die private Einlagerung ist also ein Stück weit eine Wette auf die Zukunft.

Der Mythos „Auspulsieren ODER Einlagern“

Ein häufiges Missverständnis: Viele werdende Eltern glauben, sie müssten sich zwischen dem Auspulsieren der Nabelschnur und einer Nabelschnurblutentnahme entscheiden. Das stimmt so nicht ganz.

Die WHO empfiehlt seit 2012, die Nabelschnur nicht sofort nach der Geburt zu durchtrennen, sondern sie mindestens eine Minute auspulsieren zu lassen. Dadurch fließt noch Blut aus der Plazenta zum Baby zurück, was die Eisenvorräte erhöht und die Entwicklung unterstützt.

Die gute Nachricht: Laut einer Studie des Ärzteblatts von 2024 ist beides vereinbar. Bei einer verzögerten Abnabelung von 30 bis 60 Sekunden hat das nur einen geringen negativen Einfluss auf die Stammzellmenge. Das Baby profitiert vom Auspulsieren, und es bleibt genug Blut für eine Einlagerung.

Erst bei mehr als 60 Sekunden sinkt die Zellzahl deutlich. Wenn du also sowohl auspulsieren als auch einlagern möchtest, sprich das vorher mit deiner Hebamme oder dem Klinikpersonal ab. Ein Kompromiss von etwa einer Minute ist in den meisten Fällen möglich.

Übrigens: Bei einem Kaiserschnitt ist das Auspulsieren oft nicht möglich, weil die Wundfläche am Bauch der Mutter schnell versorgt werden muss. Eine Nabelschnurblutentnahme ist aber auch beim Kaiserschnitt möglich.

Private Einlagerung vs. öffentliche Spende

Du hast zwei grundsätzliche Optionen, wenn du das Nabelschnurblut nicht einfach wegwerfen lassen möchtest.

Bei einer öffentlichen Spende wird das Nabelschnurblut an eine gemeinnützige Nabelschnurblutbank wie die DKMS oder die José Carreras Stammzellbank gespendet. Die Stammzellen werden im Stammzellregister erfasst und stehen weltweit Patienten zur Verfügung, die dringend eine Transplantation brauchen. Für dich entstehen keine Kosten. Allerdings hast du dann keinen Anspruch mehr auf das Blut – es sei denn, dein Kind braucht es selbst dringend und die Spende wurde noch nicht verwendet.

Bei einer privaten Einlagerung wird das Nabelschnurblut bei einem kommerziellen Anbieter wie Vita34, eticur oder der Deutschen Stammzellenbank eingelagert. Du zahlst dafür zwischen 1.500 und 3.000 Euro, behältst aber die vollen Rechte an den Stammzellen. Sie stehen ausschließlich deinem Kind und gegebenenfalls Familienangehörigen zur Verfügung.

Es gibt auch einen Mittelweg: Die Einlagerung mit Option auf Spende. Dabei lagerst du das Nabelschnurblut privat ein, die Daten werden aber auch im öffentlichen Register erfasst. Wenn ein Patient dringend eine passende Spende sucht, wirst du gefragt, ob du zustimmst. Wenn ja, bekommst du die Einlagerungskosten erstattet. Wenn nein, bleibt das Blut für dein Kind reserviert.

Was kostet eine private Einlagerung?

Die Kosten für eine private Nabelschnurblut-Einlagerung liegen je nach Anbieter und Vertragslaufzeit zwischen etwa 1.500 und 3.000 Euro für 18 bis 25 Jahre.

Bei eticur zahlst du beispielsweise rund 2.995 Euro für eine Einlagerung über 18 Jahre. Das sind umgerechnet keine 14 Euro pro Monat. Bei Vita34 liegt der Preis für Nabelschnurblut und -gewebe bei etwa 3.000 Euro für 25 Jahre.

Die Deutsche Stammzellenbank bietet ein etwas anderes Modell: Hier wird die Einlagerung mit einer Altersvorsorge kombiniert, was den Einlagerungspreis senken kann.

Wichtig zu wissen: Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine private Einlagerung in der Regel nicht. In seltenen Ausnahmefällen – etwa bei bekannten genetischen Erkrankungen in der Familie – beteiligen sich manche Kassen. Einige private Krankenversicherungen übernehmen die Kosten teilweise oder ganz.

Übrigens: Wenn du nach Rabatten suchst, findest du bei uns Gutscheincodes für Vita34 und eticur, mit denen du 150 Euro sparen kannst. Auch Geschwister- und Mehrlingsrabatte sind üblich.

Was sagen Ärzte und Experten?

Die Meinungen in der Fachwelt sind gespalten – und das solltest du wissen.

Kritische Stimmen wie die Bundesärztekammer und viele Hämatologen argumentieren: Die Wahrscheinlichkeit einer Eigenanwendung ist verschwindend gering. Bei den meisten Erkrankungen, für die Stammzellen eingesetzt werden, braucht man ohnehin fremde Spenderzellen. Die private Einlagerung sei daher „nach dem heutigen Stand der Medizin nicht empfehlenswert“.

Gerhard Ehninger, langjähriger Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie, nannte die kommerzielle Einlagerung sogar „Geschäftemacherei“.

Die Anbieter argumentieren dagegen: Die Medizin entwickelt sich weiter. In klinischen Studien werden bereits neue Anwendungsgebiete erforscht. Sollte hier ein Durchbruch gelingen – etwa bei der Behandlung von Hirnschäden oder Diabetes – könnte eingelagertes Nabelschnurblut plötzlich sehr wertvoll werden. Außerdem: Bei Vita34 sind bereits über 30 eingelagerte Präparate zur Anwendung gekommen, darunter lebensrettende Transplantationen bei Geschwisterkindern.

Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Eine private Einlagerung ist keine Garantie und auch kein Muss. Aber sie ist auch nicht völlig sinnlos – vor allem nicht, wenn es familiäre Risikofaktoren gibt oder wenn du bereit bist, auf zukünftige medizinische Entwicklungen zu setzen.

Entnahme: So läuft es bei der Geburt ab

Die Entnahme von Nabelschnurblut ist völlig schmerzfrei und risikolos – sowohl für dich als auch für dein Baby.

Wenn du dich für eine Einlagerung entschieden hast, bestellst du einige Wochen vor der Geburt ein Entnahme-Set beim Anbieter deiner Wahl. Diese Box nimmst du dann mit in die Klinik.

Nach der Geburt und der Abnabelung punktiert das Klinikpersonal die Nabelschnurvene. Das Restblut fließt in einen sterilen Sammelbeutel – das dauert nur wenige Minuten. Gleichzeitig wird dir eine kleine Blutprobe entnommen, um mögliche Infektionen auszuschließen.

Anschließend wird das Entnahme-Set per Kurier ins Labor transportiert. Dort werden die Stammzellen isoliert, aufbereitet und bei etwa minus 180 Grad Celsius in flüssigem Stickstoff eingefroren. Bei dieser Temperatur bleiben sie über Jahrzehnte – theoretisch sogar Jahrhunderte – erhalten.

Wichtig: Die Entnahme hat keinen Einfluss auf das Bonding oder die Atmosphäre im Kreißsaal. Du kannst dein Baby sofort nach der Geburt auf den Bauch nehmen. Die Entnahme erfolgt an der bereits abgetrennten Nabelschnur.


Häufige Fragen zur Nabelschnurblut-Einlagerung

Hier findest du Antworten auf die häufigsten Fragen, die werdende Eltern zur Einlagerung haben.

Kann ich auch beim Kaiserschnitt Nabelschnurblut einlagern lassen?

Ja, eine Entnahme ist auch beim geplanten oder ungeplanten Kaiserschnitt möglich. Allerdings ist die gewonnene Blutmenge manchmal etwas geringer, weil die Nabelschnur schneller abgeklemmt wird.

Wie lange ist eingefrorenes Nabelschnurblut haltbar?

Studien haben nachgewiesen, dass Stammzellen aus Nabelschnurblut auch nach über 20 Jahren noch voll funktionsfähig sind. Theoretisch sind sie bei korrekter Kryokonservierung nahezu unbegrenzt haltbar. Das Fraunhofer-Institut geht von einer Haltbarkeit über mehrere Jahrhunderte aus.

Was passiert, wenn die Entnahme nicht klappt?

Bei manchen Geburten – etwa bei Komplikationen, sehr dünner Nabelschnur oder zu geringer Blutmenge – ist keine ausreichende Entnahme möglich. In diesem Fall bekommst du die Anzahlung je nach Anbieter ganz oder teilweise zurückerstattet.

Kann ich das Nabelschnurblut auch für Geschwister oder Eltern nutzen?

Ja, eingelagertes Nabelschnurblut kann prinzipiell auch für Geschwister oder Eltern verwendet werden, wenn die Gewebemerkmale (HLA-Merkmale) ausreichend übereinstimmen. Bei Geschwistern liegt die Chance dafür bei etwa 25 Prozent.

Reicht das Nabelschnurblut für eine Behandlung im Erwachsenenalter?

Das ist einer der Knackpunkte: Eine einzelne Nabelschnurblutspende enthält oft zu wenige Stammzellen für erwachsene Patienten. Forscher arbeiten jedoch an Verfahren, um die Zellen im Labor zu vermehren. In den USA ist eine solche Methode bereits zugelassen.


Fazit: Für wen lohnt sich die Einlagerung?

Eine private Nabelschnurblut-Einlagerung ist kein Muss – aber auch kein Unsinn.

Die Einlagerung macht besonders Sinn, wenn bereits ein Familienmitglied an einer Erkrankung leidet, die mit Stammzellen behandelt werden kann, wenn genetische Risikofaktoren in der Familie bekannt sind, oder wenn du bereit bist, auf zukünftige medizinische Entwicklungen zu setzen.

Die Einlagerung ist weniger dringend, wenn du keine familiären Risikofaktoren hast und das Geld anderweitig für dein Kind anlegen möchtest. In diesem Fall ist eine kostenlose Spende an eine öffentliche Nabelschnurblutbank eine sinnvolle Alternative – so hilfst du möglicherweise einem anderen Kind, dessen Leben davon abhängt.

Was du auf keinen Fall tun solltest: Das wertvolle Nabelschnurblut einfach wegwerfen lassen. Egal ob Spende oder Einlagerung – in beiden Fällen kann es eines Tages ein Leben retten.

Nächster Schritt: Anbieter vergleichen

Du hast dich für eine private Einlagerung entschieden? Dann lohnt sich ein Vergleich der Anbieter. Die Preise, Leistungen und Vertragsbedingungen unterscheiden sich teilweise deutlich.

In unserem Nabelschnurblut-Anbieter-Vergleich findest du alle wichtigen Informationen zu Vita34, eticur und der Deutschen Stammzellenbank – inklusive aktueller Gutscheincodes, mit denen du bei der Einlagerung sparen kannst.